Auszug aus der Eröffnungsrede

„von Innen nach Außen“ – 7 Kunstleben

ist der Titel der Ausstellung, die Sie gleich sehen werden oder auf die Sie bereits einen ersten Blick geworfen haben. Sieben Künstlerinnen und Künstler, die in Ihrer Schulzeit das Adalbert-Stifter-Gymnasium besucht haben, kehren zurück – und das nicht das erste Mal.

Bereits im vorigen Jahr fand zum 125 jährigen Bestehen des ASG an gleicher Stelle eine Ausstellung mit dem Titel 5 Kunst-Leben statt. Die Idee hierzu hatte mein Kollege Peter Schäfer. Sie gefiel den für Ruhr 2010 in Castrop- Rauxel Verantwortlichen so gut, dass Sie darum baten, das Konzept im Rahmen der local heroes neu aufzulegen und zu erweitern.

Wie Sie unschwer heraushören, sind bei der heutigen Ausstellung 2 weitere Künstler hinzugekommen, Annette Seiler und Klaus Jürgen Böhne.

Von Annette Seiler finden Sie in dieser Ausstellung einige Skulpturen. Sie studierte an der Werkkunstschule Dortmund bei Prof. Herricht, ist ab 1974 Dozentin an der VHS, Castrop-Rauxel, ab 1976 Mitglied im Berufsverband bildender Künstler (BBK), 1988 war sie Mitbegründerin des Künstlerbundes Castrop-Rauxel. Seit 1952 gibt es von ihr zahlreiche Einzelausstellungen und Kunstaktionen sowie Gruppenausstellungen im In-und Ausland.

Klaus Jürgen Böhne (Objekte) ist Kunst- und Deutschlehrer am Adalbert-Stifter-Gymnasium (Back to the roots) seit fast drei Jahrzehnten. Er stellt zu besonderen Anlässen aus.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch die 5 „alten Hasen“ vorstellen:
Bernadette Grimmenstein (Fotografie) arbeitet seit 1992 als freiberufliche Fotodesignerin / Schwerpunkt Architekturfotografie in Hamburg. Ausstellungen in Deutschland, Frankreich und Australien.

Henning Eichinger (Malerei) ist seit 1997 Professor für Zeichnerische Darstellung und Künstlerisches Gestalten an der Hochschule Reutlingen im Studiengang Textil- und Modedesign und für Künstlerische Konzeption im Masterstudiengang Design. Ausstellungen in Deutschland, Schweden, Österreich, Australien, Litauen, Russland und Polen. Henning Eichinger kann heute  leider nicht anwesend sein kann, er wird aber am 28.Juni um 14 h in der ASG-Aula einen Vortrag mit dem Titel „Cyborg, Voodoo und Co. Künstlerische Projekte in der Designausbildung der Hochschule Reutlingen“ halten.

Ulrich Tigges (Glasbilder) hat nach dem Abitur die Glasfachschule in Hadamar/Hessen besucht und als Glas- und Porzellanmaler abgeschlossen. Er ist seit ein paar Jahren wieder in Castrop-Rauxel ansässig. Ausstellungen in ganz Deutschland.

Rolf Kabzinski-Kenkmann (Malerei) arbeitet als Kunsterzieher in Dortmund, ist Mitarbeiter der Uni-Dortmund und Pädagogischer Mitarbeiter in der Beratungsstelle für Neue Technologien in Soest (Bewertung und Entwicklung von Neuen Medien für den Kunstunterricht). Ausstellungen in ganz Deutschland.

Franz-Georg Wand (Fotografie) hat sich zum Tischler, zum Rettungsassistenten und zum Feuerwehrmann ausbilden lassen. Er ist seit 2003 Höhenretter und European-Treeworker. Seit seinem 14.Lebensjahr befasst er sich autodidaktisch mit der Fotografie.
Eigentlich wollten wir Franz-Georg Wand bitten, im Rahmen der Ausstellungseröffnung eines der Bilder für uns aufzuhängen, um ihn nicht nur als Künstler sondern auch als Höhenretter zu erleben. Wie Sie sehen, haben wir davon jedoch Abstand genommen.

Sie werden in dieser Ausstellung eine breite Bandbreite an Kunst sehen. Die Verbindung zwischen den Fotographien von Bernadette Grimmenstein und Franz-Georg Wand, den Skulpturen von Annette Seiler, den Objekten von Klaus-Jürgen Böhne, den Bildern von Henning Eichinger und Rolf Kabzinski-Krekmann sowie der Glasmalerei von Ulrich Tigges mag nicht sofort sichtbar sein. Natürlich verbindet sie die Wurzel ASG, aber was ist es darüber hinaus?

Die Künstler waren im Zuge der Vorbereitung dieser Ausstellung gebeten worden, in einem ihrer Werke einen Bezug zu Castrop-Rauxel und zum Ruhrgebiet erkennen zu lassen. Offensichtlich ist dieser Bezug etwa bei Bildern, in denen der  Erinturm dargestellt wird; Bernadette Grimmenstein stellt Wohnsituationen im Ruhrgebiet und in Afrika einander gegenüber; die Skulpturen von Klaus-Jürgen Böhne, die er Öllekes nennt, bestehen aus Material, das er in den heimischen Wäldern und an anderen Orten im Ruhrgebiet gefunden hat.

Bei anderen Werken gibt es diesen Bezug nicht oder aber sie werden nicht so deutlich. Gehen Sie, meine Damen und Herren, bei ihrem Gang durch die Ausstellung ruhig auf entsprechende Spurensuche.

Zwei weitere verbindende Aspekte der Ausstellung werden im Titel „Von Innen nach Außen“ deutlich. Das „Innen“ kann als Schulinneres – hier des ASG – verstanden werden. Die Aufgabe der Lehrerin und des Lehrers ist es, ihre Schülerinnen und Schüler auf das „Außen“ vorzubereiten. Schule muss mehr als Wissensvermittlung sein. Sie soll den Schülerinnen und Schülern Perspektiven für das Leben nach der Schule aufzeigen. Fächer wie Kunst, Literatur und Musik haben an dieser Stelle einen besonderen Stellenwert.

Rolf Kabzinski – Kenkmann schreibt in seiner Vita, er sei im dem Jahr geboren, in dem Dave Brubeck sein „Take five“ veröffentlichte. Natürlich kann ich als Musikunterrichtender am ASG so eine Bemerkung nicht unkommentiert stehen lassen. Das Erscheinungsjahr verrate ich Ihnen nicht – aber der Hinweis sei gestattet, dass seit 2008 das ASG als koordinierende Schule an einem Comeniusprojekt mit dem Titel „Take five – music has no bounds“ beteiligt ist. Schülerinnen und Schüler aus Italien, den Niederlanden, Polen und natürlich aus Castrop-Rauxel machen gemeinsam Musik.

Im Rahmen von Ruhr2010 ist das ASG außerdem an der Heldenwerkstatt des LWL beteiligt. Klaus-Jürgen Böhne hat mit Schülerinnen und Schülern des 11. Jahrgangs eine Skulptur mit dem Thema „Held – Antiheld“ hergestellt, die in der Ausstellung des LWL in der Henrichshütte in Hattingen zu sehen ist. Diese Ausstellung möchte ich hier nachdrücklich empfehlen.

Außerdem möchte ich auf ein weiteres Projekt hinweisen, an dem das ASG im Rahmen von Ruhr2010 beteiligt ist: Am 5. Juli gibt es in der ASG-Aula ein Diaporamafestival zu unter der Federführung von Peter Schäfer zu sehen.
Ich habe diese drei Projekte aus der Vielzahl von künstlerischen, literarischen, musischen und anderen Projekten am ASG herausgegriffen. An diesen Stellen vermittelt Schule mehr als reines Fachwissen und kommt damit einem ihrer wichtigen gesellschaftlichen Aufträge nach.

Liebe Künstlerinnen und Künstler, ich glaube und hoffe, dass auch Ihre Schulzeit am ASG in gewisser Weise einen Einfluss auf ihr Leben im „Außen“ hatte. Bei Bernadette Grimmenstein bin ich da sogar sicher, schreibt sie doch in ihrer Vita, dass sie ihre Liebe zur Fotographie durch die Fotoprojektgruppe bei Peter Schäfer entdeckt hat.

Ähnliche Schlüsselerlebnisse kenne ich von den anderen sechs Ausstellenden leider nicht, allerdings fällt mir in diesem Zusammenhang noch eine kleine Anekdote zu Henning Eichinger ein, die du, Peter, mir am Freitag erzählt hast. ...

Der Titel der Ausstellung weist noch auf ein anderes verbindendes Element hin:
In einem der besten Stücke seines neuen Albums "Von innen nach außen" hat es der Rapper Curse unumstößlich festgehalten: "Rap ist Soul-Musik." Musik für die Seele, aber vor allem Musik als Spiegel der Seele. Auf unsere Ausstellung übertragen: Kunst ist auch Spiegel der Seele.

Denken Sie beim Betrachten der Ausstellung auch an diesen Aspekt und gehen Sie auch in diesem Sinne auf Entdeckungsreise.

An dieser Stelle bleibt mir ein nochmaliges Dankeschön an die Künstlerinnen und Künstler, die mit ihrer Ausstellung auch ein kleines Glanzlicht auf unsere Schule werfen, an Peter Schäfer für sein Engagement und an Sie alle für ihr Kommen und erkläre damit die Ausstellung für eröffnet.

T.Albers